Bauern beklagen zu starre Vorgaben

Landwirte diskutierten beim Bauernfrühstück mit Umweltminister Reinhold Jost

Eine lebhafte Diskussion ist beim jüngsten Bauernfrühstück der Volksbank Untere Saar entbrannt. Denn die Bauern in der Region fühlen sich von der EU-Politik immer enger in ein Korsett gezwängt.

Der Duft von frischen Brötchen steigt in die Nase, der Schinken verbreitet sein feines Aroma, die Wurstplatte sieht verführerisch aus. Schmecken tut's erst recht. Kein Wunder: Beim Bauernfrühstück, zu dem die Volksbank Untere Saar am Freitagmorgen Landwirte aus der Region ins Seehotel Losheim geladen hat, kamen nur Produkte aus regionalem Anbau auf den Tisch. Unter welchen Bedingungen die Leckereien hergestellt werden dürfen, das entscheiden die Bauern aber längst nicht mehr alleine.

"Das Korsett, das die Europäische Union um uns schnürt, wird immer enger", bemängeln die Landwirte, die zur Diskussionsrunde mit Umwelt- und Verbraucherschutzminister Reinhold Jost und Vertretern der Bauernverbände im Saarland gekommen waren. Denn wichtige Einkommenshilfen aus den EU-Töpfen gibt es nur, wenn man sich an strenge Regeln hält. Ungefähr ein Drittel der Förderung im Rahmen der GAP, der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, wird nur bereitgestellt, wenn der Landwirt fünf Prozent seiner Anbaufläche der Natur überlässt und mehrere Sorten von Feldfrüchten anpflanzt.

Als "Eingriff ins Eigentumsrecht" betitelt Reinhold Fontaine solche Regulierungen. Von unternehmerischer Freiheit bliebe da nicht mehr viel übrig. "Es ist wahr, dass es einige Bereiche gibt, die auf EU-Ebene überbordend reguliert werden. Aber andererseits will die Europäische Union ja auch sichergehen, dass ihr Geld sinnvoll eignesetzt wird", argumentiert Reinhold Jost. "Solange es Subventionen gibt, so lange wird auch diskutiert".

Für Diskussionsstoff sorgten auch Regularien, mit denen das Saarland selbst den Bauern ihrer Meinung nach das Leben schwer macht. "Wir müssen Düngemittel mindestens im Abstand von zehn Metern zu einem Gewässer ausbringen. In anderen Bundesländern sind es fünf", moniert Klaus-Peter Brück von der Landwirtschaftskammer Saarland.

Ohnehin hätte es die Landwirtschaft hier schwer: "Das Saarland gilt nach einer Untersuchung der EU zu 98 Prozent als benachteiligtes Gebiet", trägt Hans Lauer, Geschäftsführer des Bauernverbands Saar, vor. Die EU sieht für solche "benachteiligten" Flächen, die zum Beispiel wegen einer Hanglage nur geringe Produktivität versprechen, und auch Grünlandstandorte, Ausgleichszahlungen für die Landwirte vor.

Wie diese Finanzmittel verteilt werden, ist jedoch Ländersache. "Im Landkreis Merzig-Wadern haben die Landwirte insgesamt rund 17.000 Hektar Fläche zur Verfügung. Die Hälfte davon ist aber Grünland", erklärt Hans Lauer. Außerdem gebe es viele Streuobstwiesen, was zusätzliche Kosten für die Bewirtschaftung bedeutet. "Das muss honoriert werden", fordert Lauer vom Minister. 50 EUR pro Hektar Land als Ausgleich will der Bauernverband erzielen.

Mit einer verbindlichen Zusage konnte Reinhold Jost, der während der Fragerunde stets ein offenes Ohr für die Probleme der Anwesenden bewies, die Vertreter der Zunft allerdings nicht entlassen. "Ich sehe die Landwirtschaft als Kulturgut an. Wir werden uns um eine gerechte Verteilung der Finanzmittel bemühen", stellt der Minister ins Aussicht. Wie diese Verteilung aussieht, steht noch nicht fest, die Verhandlungen mit dem Bauernverband seien noch im Gange.

Von SZ-Redaktionsmitglied Björn Heib